Mit dem diesjährigen Gautschakt zählt die HTWK 22 neue Jünger Gutenbergs in ihren Reihen
“Packt an!” ertönt es zum Hochschulsommerfest über die Gutenbergwiese und die Jagd beginnt. Wer sich hier von den Packern fangen lässt, wird hochgehoben und in einen Bottich mit Wasser getaucht. Eine willkommene Abkühlung für die sogenannten Kornuten – Studentinnen und Studenten, die das Bleisatzpraktikum an der HTWK abgeschlossen haben. Gemeinsam mit der Freisprechung durch Handschlag des Gautschmeisters und einem Trank nach geheimer Rezeptur werden sie so von den Unreinheiten des Kornutendaseins befreit und in den Kreis der Jünger Gutenbergs aufgenommen.
Diese “Gautschakt” genannte Tradition ist eng mit der des Buchdrucks verknüpft. Seit dem 16. Jahrhundert werden die Besten Lehrlinge im Druckhandwerk mit dieser Zeremonie als Jünger Gutenbergs in die “Schwarze Zunft” der Drucker aufgenommen. An der HTWK übernimmt heutzutage das Bleisatzpraktikum die Rolle der Buchdrucklehre und wer daran teilgenommen hatte, durfte sich am 24.06. gautschen lassen.
“Gott grüßt die Kunst” – Der Gautschmeister tritt auf
Mit Trommelschlägen kündigte sich die Gruppe aus Gautschmeister Michael Reiche mit seinem Gehilfen, den Schwammhalterinnen und den Packern an. In historische Gewänder gekleidet schritten sie zur Gutenbergwiese und stellten sich dort auf. Immer mehr Menschen versammelten sich um sie und die bereits aufgebaute Gautschwanne herum. Interessiert reckten sich Köpfe, als sich Professor Reiche mit den Worten “Gott grüßt die Kunst” an die Menge wandte.
Nach einer kurzen Erklärung zum Gautschakt begann die altehrwürdige Rede, in der die Kornuten zu rühmlichem Verhalten ermahnt wurden, damit “Zucht und Ordnung herrschet in unserem Stand”. Allerdings wurde nicht nur vor Sauferei, Glücksspiel oder dem Vorlautsein gewarnt, auch ein Lob hielt die Rede für die Kornuten bereit: “denn ihr habt redlich gelernet und ihr könnt mit eurer Leistung beweisen, dass ihr nicht nur dumme Schwätzer seid”.
Verfolgungsjagden und der Wurf ins Wasser
Nun wurden die 22 diesjährigen Kornuten unter Jubelrufen und Applaus einzeln aufgerufen und durch Handschlag des Gautschmeisters freigesprochen. Nach seinen Worten “Ich befreie dich von deinem Kornutenbann” gab dieser den Packern das Signal, dass der jeweilige Gautschling jetzt eingefangen werden darf. Einige kamen nur wenige Schritte, aber hin und wieder gelang es einem Kornuten, den Packern für einige Zeit zu entfliehen. Früher oder später wurden jedoch alle erwischt.
An Armen und Füßen gepackt wurden die Eingefangenen zum Gautschfass getragen und dreimal in das kalte Wasser getaucht – wer sich beim Weglaufen zu wenig Mühe gab oder die aufgestellte Fahne berührte auch gerne öfter. Im Anschluss bekamen sie über Trichter und Schlauch ein Getränk aus Zutaten nach altem Ritual, das so mancher nicht ganz herunterbekam. “Schmeckt ein bisschen nach Freiheit, aber auch nach abgestandenem Kaffeesatz”, hieß es von einer Studentin kurz danach.
Nachdem alle ehemaligen Kornuten sich diesem außergewöhnlichen Ritual unterzogen hatten und die Zeremonie damit beendet war, wurde das Gautschfass freigegeben und die frisch gegautschten Jünger Gutenbergs warfen sich sofort zurück hinein, um so gemeinsam dem Prasseln der Sonne entgegenzuwirken.
Ein Abschluss mit Gautschbrief und Vorfreude
Später versammelten sie sich alle noch einmal vor dem Drucklabor, um dort ihren Gautschbrief in Empfang zu nehmen. Diese kunstvoll gestaltete Urkunde bestätigt offiziell ihre Aufnahme in die Schwarze Zunft und gilt als Nachweis, dass sie sich dem Gautschakt unterzogen haben.
Rundum herrschte zufriedene Stimmung, die nunmehrigen Jünger Gutenbergs erzählten, dass die Zeremonie sehr viel Spaß gemacht hatte. Auf die Frage, ob sie nächstes Jahr als Packerin mitmachen möchte, antwortete eine Medientechnikerin enthusiastisch: “Ja definitiv, hab‘ ich Bock drauf!”, und damit war sie nicht allein.
So ging der Gautschakt 2026 seinem Ende entgegen, mit einem Blick in die Zukunft, in der es nächstes Jahr erneut heißen wird: “Ein Hoch auf die schwarze Kunst!”













