„Ich glaube, das Wichtigste ist Neugier, also der Wunsch, wirklich verstehen zu wollen, wie technische Systeme funktionieren."
Redaktion: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Berufung als Professor für Technische Informatik und Echtzeitsysteme an die Fakultät Ingenieurwissenschaften der HTWK Leipzig. Können Sie uns kurz erläutern, welche Aufgabenbereiche mit Ihrer Professur verbunden sind?
Prof. Hoffmann: Vielen Dank, ich freue mich sehr, an der HTWK lehren und forschen zu können.
Die Professur für Technische Informatik und Echtzeitsysteme verbindet Lehre, Forschung und praxisnahen Technologietransfer.
In der Forschung arbeite ich insbesondere an sicheren eingebetteten Systemen. Ein zentraler Bestandteil ist die Weiterentwicklung des SEC-V Prozessors, einer sicheren Prozessorarchitektur, sowie der Aufbau unserer HEX-Plattform (HTWK Embedded Experimentation Platform). Diese Plattform ermöglicht es, Systeme ganzheitlich zu entwickeln und zu verstehen: von der Anwendungsebene über das Betriebssystem bis hin zur Hardware und sogar bis auf Transistorebene.
Genau dieser durchgängige Ansatz ist heute entscheidend für IT-Sicherheit, da Angriffe auf allen Ebenen stattfinden können und Schutzmechanismen entsprechend ganzheitlich gedacht werden müssen.
In der Lehre setze ich diesen Ansatz direkt um. Ich unterrichte im Bachelor Grundlagen der Informatik und Programmiertechniken und baue im Master aktuell Module wie „Eingebettete Systeme“ und „Secure Systems“ auf.
Meine Veranstaltungen richten sich an Studierende der Ingenieurwissenschaften, insbesondere aus Elektrotechnik, Automatisierungs- und Informationstechnik. Auch Studierende der Informatik mit Fokus auf Sicherheit und Hardware sind in meinen Modulen herzlich willkommen.
Ziel ist es, ihnen nicht nur Programmierung, sondern ein tiefes Systemverständnis über alle Abstraktionsebenen hinweg zu vermitteln.
Redaktion: Wie kommt es, dass Sie sich für diesen Forschungs- und Lehrbereich entschieden haben? Wussten Sie bereits vor dem Studium, welchen Weg Sie später einschlagen wollen?
Prof. Hoffmann: Das Interesse hat tatsächlich sehr früh angefangen. Ich habe bereits mit etwa 12 Jahren auf dem C64 programmiert und bin später auf den PC gewechselt, wo ich mich intensiv mit Assembler und C beschäftigt habe.
Mit etwa 15 habe ich zudem begonnen, Spiele und Systeme zu analysieren und auch zu „hacken“ – zunächst, um Spielstände zu manipulieren, aber vor allem, um zu verstehen, wie die Systeme im Inneren funktionieren.
Diese Kombination aus Software, Hardware und Sicherheitsinteresse hat mich dann ganz klar zum Informatikstudium geführt – mit dem Ziel, Rechner nicht nur zu nutzen, sondern sie zu bauen und abzusichern.
Im Studium habe ich mich auf Technische Informatik spezialisiert, mich intensiv mit Schaltkreisen, Chips und Platinenentwicklung beschäftigt und Praktika im Bereich IT-Sicherheit gemacht.
Meine Diplomarbeit habe ich in Dresden im Umfeld des hochsicheren L4-Mikrokernel geschrieben, wofür ich mich sehr tief in die Materie eingearbeitet habe.
Diese Richtung habe ich in meiner Promotion an der Universität Leipzig weitergeführt, in der ich mit MOSAIC an sicheren Mikrocontrollern gearbeitet habe.
Meine Motivation ist bis heute unverändert: Systeme ganzheitlich zu verstehen: von der Anwendung bis zur Hardware. Dabei geht es mir heute darum, sie so zu entwickeln, dass sie sicher und vertrauenswürdig sind.
Redaktion: Was glauben Sie, sollten Studierende, die sich für ein Studium der Elektro- und Infromationstechnik entscheiden, an Fähigkeiten und Interessen mitbringen?
Prof. Hoffmann: Ich glaube, das Wichtigste ist Neugier, also der Wunsch, wirklich verstehen zu wollen, wie technische Systeme funktionieren.
Studierende sollten Interesse daran haben, Dinge nicht nur zu benutzen, sondern auch zu hinterfragen: Wie arbeitet ein Mikrocontroller? Wie kommunizieren Systeme? Was passiert eigentlich „unter der Oberfläche“?
Hilfreich ist außerdem eine gewisse Freude am praktischen Arbeiten - also dem Experimentieren, Ausprobieren und auch an den Fehlersuchen. Gerade in der Elektro- und Informationstechnik lernt man sehr viel, indem man Dinge selbst aufbaut und testet und … bei denen viel schief geht.
Gleichzeitig spielen analytisches Denken und Ausdauer eine große Rolle, weil viele Probleme hoch komplex sind und nicht sofort eine Lösung liefern.
Und nicht zuletzt ist heute auch ein Interesse an Themen wie Vernetzung, Künstliche Intelligenz und Sicherheit wichtig, da diese Bereiche zunehmend unseren Alltag und unsere Industrie prägen.
Redaktion: Welche neuen Projekte würden Sie gerne in Zukunft realisieren?
Prof. Hoffmann: Ein zentrales Ziel ist der weitere Aufbau unserer Forschungs- und Lehrplattform HEX (HTWK Embedded Experimentation Platform). Damit möchten wir eine durchgängige Umgebung schaffen, in der Studierende und Forschung gemeinsam an realen Systemen arbeiten können, von der Programmierung über das Betriebssystem bis hin zur Hardware.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Weiterentwicklung des SEC V Prozessors hin zu einer sicheren, modularen Plattform für eingebettete Systeme und Edge Anwendungen. Dabei geht es insbesondere um Themen wie sichere Kommunikation, Kryptografie, KI-Beschleunigung und vertrauenswürdige Hardware.
Darüber hinaus möchte ich die Zusammenarbeit mit Industriepartnern weiter ausbauen, insbesondere im Bereich sicherheitskritischer Infrastrukturen. Ziel ist es, konkrete Anwendungen zu entwickeln und diese direkt in die Lehre zu integrieren.
Langfristig ist es mein Ziel, gemeinsam mit Studierenden, Forschungspartnern und der Industrie eine europäische, souveräne Technologieplattform für sichere IoT und Edge Systeme aufzubauen und diese bis hin zu einem eigenen Chip zu entwickeln.
