Christiane Warnicke erhält Förderpreis für Bachelorarbeit zu Herausforderungen für Stromnetze, die mit der dezentralen Energieerzeugung entstehen

Absolventin B.Eng. Christiane Warnicke (Wirtschaftsingenieurwesen Energietechnik) konnte die Jury der Stiftung mit Ihrer Abschlussarbeit zu „Problembeschreibung, Lösungsfindung und Risikoanalyse der Use Cases im § 14a EnWG bei der Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH“ überzeugen und gewann in der Kategorie „Energienetze & Datennetze" den Förderpreis 2024. Er ist mit 1.000 Euro doriert.
Die prämierte Bachelorarbeit
Die Arbeit von B.Eng. Christiane Warnicke befasst sich mit der Problembeschreibung, Lösungsfindung und Risikoanalyse zur Umsetzung der Anforderungen gemäß § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes bei der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom mbH. Ziel dieser gesetzlichen Regelung ist es, kritische Netzsituationen durch eine gezielte Steuerung privater Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeuge zu vermeiden. Dies gewinnt insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden dezentralen Energieerzeugung und des steigenden Energiebedarfs in privaten Haushalten an Bedeutung.
Im Fokus der Arbeit steht die technische Umsetzung der Steuermaßnahmen: Wie übermitteln Netzbetreiber Steuerbefehle an Endgeräte der Kunden, um eine gezielte Leistungsbegrenzung zu realisieren? Welche Hürden treten dabei auf, und welche Lösungsansätze lassen sich ableiten? Ergänzend dazu erfolgt eine umfassende Risikoanalyse in Form einer Risikomatrix und Szenarioanalyse. Während die Risikomatrix potenzielle Risiken bei der Implementierung erfasst, vergleicht die Szenarioanalyse verschiedene Zukunftsoptionen – etwa die Steuerung nach § 14a EnWG und den Netzausbau – hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und technischen Auswirkungen auf Netzbetreiber und Kunden.
Insgesamt zeigt die Arbeit sowohl die technischen als auch die regulatorischen Herausforderungen bei der Steuerung und Überwachung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen. Sie stellt Lösungsstrategien vor und bewertet diese im Hinblick auf langfristige Risiken, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
„Frau Warnicke zeigt in ihrer Arbeit ein hohes Maß an Sachkenntnis sowohl bezüglich der technischen Ausprägungen der netzorientierten Steuerung als auch der Wirschaftlichkeits- und Risikobetrachtung ihrer operativen Implementierung.", betont Prof. Michael Lehmann von der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom gmbH, betrieblicher Betreuer der Abschlussarbeit.
Prof. Martin Gürtler Professur, Produktions- und Logistiksysteme an der Fakultät Ingenieurwissenschaften HTWK Leipzig, hebt in seinem Gutachten hervor: „Die traditionelle Unterteilung in Stromerzeuger und -verbraucher löst sich auf und bewirkt prinzipiell größere Schwankungen in Angebot und Nachfrage - mit einem Wort zusätzliche Risiken. Frau Warnicke nähert sich der Problematik zunächst in einer detaillierten Betrachtung verschiedener Möglichkeiten, wie die Steuerung von geeigneten Stromverbrauchern durch Steuersignale des Verteilnetzbetreibers praktisch aussehen kann. Durch die Beteiligung verschiedenster Akteure wird diese zunächst einfach erscheinende Aufgabe sehr komplex, zusätzlich kommen verschiedene Möglichkeiten der technischen Umsetzung in Frage. Eine einheitliche Umsetzung kommt wegen verschiedener Randbedingungen (Bestand an Altgeräten, wirtschaftliche Gründe, gesetzliche Vorgaben) nicht in Frage. Für die Darstellung der sich daraus ergebenden Use-Cases benutzt sie passenderweise UML-Diagramme. Diese erläutert Sie sehr gut und leitet daraus im nächsten Schritt mögliche sich daraus ergebende Risiken für die Wirksamkeit beabsichtigter Steuerungsvorgänge ab."
Preisträgerin Christiane Warnicke freut sich sehr über die Ehrung: „Als ich mich vor über drei Jahren für diesen Studiengang entschied, bot sich mir eine großartige Möglichkeit, die Energiewende sowohl aus technischer als auch aus wirtschaftlicher Perspektive mitzugestalten. Umso mehr freut es mich, dass ich mit meiner Bachelorarbeit einen wichtigen Beitrag leisten konnte und dafür mit dem Förderpreis 2024 der EUST Leipzig ausgezeichnet wurde. Diese Ehrung bestärkt mich zusätzlich darin, meinen Master ebenso erfolgreich abzuschließen und zukünftigen Herausforderungen mit voller Energie zu begegnen.“
Wir wünschen der Preisträgerin viel Erfolg im Masterstudium und für ihre berufliche Zukunft.
Hintergrund: Förderpreis der Energie und Umwelt Stiftung Leipzig
Die Energie und Umwelt Stiftung Leipzig vergibt zur Förderung des Nachwuchses und zur Vertiefung der Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen der Stadt und Region Leipzig jedes Jahr für herausragende Studien- und Abschlussarbeiten sowie innovative wissenschaftliche Projektarbeiten einen Förderpreis mit einem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro je Kategorie.
Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, den Standort Leipzig-Halle als Kompetenzzentrum für zukunftsträchtige und umweltfreundliche Energietechniken zu fördern und damit die Region Mitteldeutschland wirtschaftlich zu stärken, was unter anderem mit der Vergabe von Förderpreisen verwirklicht werden soll.
Jedes Jahr haben Absolventinnen und Absolventen sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler von Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Stadt Leipzig und der Region Leipzig die Möglichkeit, sich mit Ihrer Abschluss- oder Projektarbeit auf einen der zwei Förderpreise der Stiftung zu bewerben.
Der Förderpreis „Energienetze und Datennetze“ prämiert die beste Forschungs- und Entwicklungsarbeit, welche sich den Themen dezentraler Energieversorgungssysteme, SMART GRIDs, Kommunikationstechnik in Energieerzeugungsanlagen, Simulation elektrischer Verbundnetze, Regelung und Steuerung komplexer Energieversorgungseinrichtungen oder Monitoring und Diagnose in Energieversorgungseinrichtungen auseinandersetzt.